Militärwissenschaftliche Bestrebungen zur Raumbeherrschung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie in dem 19. Jahrhundert aus mitteleuropäischer Perspektive und die Entwicklung der Kartographie zu einer militärwissenschaftlichen Teildisziplin : [submitted version]

GND
111840139
VIAF
79195163
ORCID
0000-0002-1754-4499
Affiliation
Universität Rostock
Pápay, Gyula

Der Zugang zum militärischen Raumwissen war im gesamten Mitteleuropa, auch innerhalb des militärischen Rahmens selektiv. Besonders selektiv war der Zugang zum Raumwissen, das in jenen kartographischen Modellen gespeichert wurde, die auf Vermessung basierten. Der Kreis, der an militärischem Raumwissen teilhaben konnte, wurde im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts stufenweise erweitert. Zunächst gehörten zu diesem Kreis lediglich sehr hohe Offiziere und Offiziere mit Spezialausbildung. Dann erweiterte sich der Kreis auf beinahe sämtliche Offiziere. Am Ende des 19. Jahrhunderts begann die Erweiterung auch auf die einfachen Soldaten. Es erfolgte eine Art Demokratisierung des militärischen Raumwissens, um die militärische Raumbeherrschung entsprechend den Veränderungen der Kriegführung zu optimieren. Bei dem Zugang zur Schaffung von militärischem Raumwissen war stets ein hoher Selektivitätsgrad vorhanden.
Die zunehmende Kompliziertheit der Kriegführung in dem 18. und 19 Jahrhundert führte zu der Verwissenschaftlichung der militärischen Raumbeherrschung. Dabei entstanden militärwissenschaftliche Disziplinen, wie die Terrainlehre, Militärgeographie und die Militärkartographie. Der militärische Rahmen ermöglichte für diese Disziplinen eine effektive Institutionalisierung, die auch die Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Aspekte gestattete. In Mitteleuropa wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine weitgehende Bemächtigung des Raumwissens durch das Militär angestrebt, wobei auch die Geheimhaltung eine gewisse Rolle spielte. In der Habsburgermonarchie erreichte die Institutionalisierung der Kartographie eine besonders hohe Stufe. Hier wurde auch ziemlich frühzeitig die Geheimhaltung der topographischen Karten aufgegeben und die zivilen Bedürfnisse an Raumwissen wurden immer mehr berücksichtigt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann das Zurückdrängen der militärischen Monopolstellung in der Kartographie durch zivile Aktivitäten. Dieser Prozess wurde auch dadurch begünstigt, dass sich die Militärwissenschaft auf das eigentlich Militärische zu konzentrieren begann.
Für den östlichen Teil der Habsburgmonarchie hatten die militärischen bzw. militärwissenschaftlichen Bestrebungen zur Raumbeherrschung eine zwiespältige Auswirkung. Die zentralen Einrichtungen sicherten einerseits auch für diesen Teil die Entfaltung eines umfassenden Raumwissens, andererseits wurden die Bestrebungen zur nationalen Institutionalisierung des Raumwissens, darunter der Kartographie, unterdrückt. Lediglich in Ungarn nach dem Ausgleich erfolgte diesbezüglich eine gewisse Lockerung.

The increasing complexity of warfare in the 18th and 19th centuries led to the scientification of military spatial mastery. In the process, military scientific disciplines such as terrain theory, military geography and military cartography emerged, which contributed to the creation of a high-level knowledge of space. The military framework enabled an effective institutionalisation for these disciplines, which also allowed for the consideration of scientific aspects. In Central Europe, the first half of the 19th century saw a far-reaching empowerment of spatial knowledge by the military, with secrecy also playing a certain role. In the second half of the 19th century, civilian activities began to push back the military monopoly in cartography. This process was also favoured by the fact that military science began to focus on what was actually military. For the eastern part of the Habsburg Monarchy, the military or military-scientific efforts to dominate space had an ambivalent effect. On the one hand, the central institutions ensured the development of comprehensive spatial knowledge for this part as well; on the other hand, efforts to institutionalise spatial knowledge at the national level, including cartography, were suppressed.

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